Mittwochnacht, Falckensteinstraße 49. Die Glasfront am Fuß der Oberbaumbrücke, fast zwei Jahre dunkel, war wieder an. Richie Hawtin, Ben Klock, BASHKKA und Valentina Magaletti am Pult, draußen die Spree.

Das war ein Pre-Opening. Richtig los geht es am 30. Oktober: Dann eröffnet Silencio ein siebenmonatiges Pop-up in den Räumen, die mal das Watergate waren.

Was passiert

  • Was: Silencio Berlin, ein temporäres Clubprojekt
  • Wo: im ehemaligen Watergate, Falckensteinstraße 49, Kreuzberg
  • Eröffnung: 30. Oktober 2026
  • Läuft bis: Mai 2027
  • Programm: wird im Oktober angekündigt

Das Format laut Pressemitteilung: Jedes Wochenende übernimmt ein anderes Kollektiv die Räume. Namen gibt es noch keine. Das Projekt ist Teil des Reference Festivals, und das Pre-Opening war gleichzeitig die Party zu Maurizio Cattelans Ausstellung „Night“ in der Neuen Nationalgalerie — das erste Publikum war also Art Week, nicht Mittwochsraver.

Wer Silencio ist

Silencio hat 2011 in Paris in der Rue Montmartre aufgemacht, gegründet von Arnaud Frisch mit Manu Barron und Anthony Caton — dem Team hinter dem Social Club. Das Interieur stammt von David Lynch, der Name kommt direkt vom Club Silencio aus Mulholland Drive. Eher Culture Club als Technoclub: Konzerte, Film, Kunst, eine Gästeliste wie ein Festivalprogramm.

Berlin ist das Projekt zum 15. Geburtstag. Und nicht das erste Pop-up: Temporäre Räume gab es schon rund um die Biennale in Venedig, in Cannes, bei der Art Basel Miami Beach und in New York.

Frisch sagt sinngemäß: Ein Club ist etwas, das man neu erfindet, nicht konserviert — und Berlin hat das früher verstanden als jede andere Stadt.

Was mit den Räumen passiert ist

Studio Karhard — bekannt vom Berghain — hat das Watergate entkernt. Der Boden ist raus, darunter liegt roter Backstein frei. Die Aufteilung bleibt: Bars und Toiletten sind da, wo du sie in Erinnerung hast.

Die Pulte sind aber umgezogen. Oben steht das DJ-Pult jetzt an der Fensterfront, unten auf dem alten Waterfloor mitten im Raum. Künstler Marc Leschelier hat neue Pulte aus Betonsteinen gebaut und Betonskulpturen verteilt, eine davon auf dem Ponton. Studio Raito und Bureau Borsche arbeiten an der neuen visuellen Identität. Das Watergate-Logo an der Fassade wurde schwarz übermalt.

Was aus dem Watergate wurde

Das Watergate hat 2002 aufgemacht und Ende 2024 nach 22 Jahren geschlossen, mit einem 35-Stunden-Finale an Silvester. Mitgründer Ulrich Wombacher nannte finanzielle Gründe. Seitdem standen die Räume leer.

Die Marke ist geblieben: Das Team hat „Don't Stop The Dance“ mit Open Airs im Sage Beach und in der Malzfabrik weitergeführt. Im August sagte die Padovicz-Gruppe, der das Gebäude gehört, dem rbb, man habe einen „international erfolgreichen Clubbetreiber“ als Mieter gewonnen. Silencio passt zu der Beschreibung — was nach Mai passiert, ist trotzdem offen.

Unser Eintrag, Fotos und Geschichte des Ladens: Watergate Club Berlin.

Nicht alle jubeln

Groove war deutlich: Ein internationales Kunst- und Modepublikum zieht in einen der wichtigsten Clubräume Berlins, ohne erkennbare Verbindung zur lokalen Szene. Silencio sagt, man sei im Dialog mit den kreativen Communities der Stadt. Der Test werden die Wochenend-Takeovers: wer gebucht wird, wie die Tür aussieht und ob normale Berliner:innen reinkommen.

Warum es trotzdem zählt

Sieben Monate sind kein Comeback. Niemand weiß, was nach Mai mit der Falckensteinstraße 49 passiert.

Aber schau auf die letzten zwei Jahre. Das Watergate hat zugemacht. Clubs in der ganzen Stadt kämpfen mit Mieten, Kosten und einer Autobahn. Und 2026 dreht sich langsam die Richtung: Im März hat das AMT unter den Bögen am Alexanderplatz aufgemacht, und jetzt läuft in einem der bekanntesten Räume an der Spree wieder Musik.

Ein Clubraum, den viele schon abgeschrieben hatten, ist wieder in Benutzung — mit großen Namen am Pult und einem ernsthaften Designteam dahinter. Das ist aufregend. Kurzfristig, ja. Aber jeder Raum, der zurückkommt, statt Büro zu werden, ist eine Chance für die Zukunft des Berliner Nachtlebens.

30. Oktober. Programm kommt im Oktober. Wir listen die Nächte, sobald sie raus sind.