Mittwoch, halb zwölf, Dircksenstraße. Du gehst in einen Späti unter den S-Bahn-Bögen, vorbei an Kühlschränken und Neonlicht, und ziehst eine Nummer. Dann geht es runter. Kein Eintritt, keine Liste, alle paar Minuten ein Zug über dir.

Das ist der zweite Raum von Loone — und eine der letzten wirklich kostenlosen Nächte mitten in Berlin.

Wer Loone ist

Loone ist eine Livestream-Plattform, kein Veranstalter. Jede Woche geht die Booth an ein Label, ein Kollektiv oder eine:n Artist, eine Kamera steht daneben, und die Nacht geht live raus. Auf Persisch heißt loone Nest — das, was man Stück für Stück baut, bis es ein Zuhause ist. Kleingeschrieben, mit Absicht.

Unterschätzt wird vor allem das Archiv. Alles, was je gesendet wurde, bleibt online und bleibt gratis, auf der Seite und auf YouTube: Fiedel b2b Norman Nodge, Ed Davenport, Pink Concrete, Takeovers von Space Trax und RAW/QTR. Kein Login, keine Paywall. Kein großer Name an der Tür, weil es um das Booking gehen soll.

Bigger nest, still Loone

Unter genau dieser Zeile haben sie gerade relauncht. Neue Website, ein einfacherer Weg, die Booth anzufragen — und die eigentliche Nachricht: ein zweiter Raum.

Kreuzberg bleibt. It's a Bar am Platz beim Görlitzer Bahnhof gehört weiter dazu: Darts, billiges Bier, der ganze Kiez in einem Raum, Sendung aus dem Stock darunter. Neu ist nur, dass es nicht mehr der einzige Raum ist.

Der neue Raum: AMT

2,9 km nördlich, unter den Bögen am Alexanderplatz. Das AMT hat im März 2026 in einem ehemaligen Casino in der Dircksenstraße 114 aufgemacht, ein Projekt von Robert Havemann, demselben Gründer wie beim Velvet in Neukölln. Rund 1.000 Leute auf zwei Etagen, dazu Darkroom und Chill-out, und eine maßgefertigte Kirsch-Anlage von Willsingh Wilson (Wax Acoustics).

Heißt: echte Anlage, echter Club, eine U-Bahn-Fahrt entfernt, an einem Abend, der nichts kostet.

Mehr zum Laden: AMT Club Berlin.

Die Tür ist ein Späti

Der Eingang ist der Späti neben dem Burgermeister. Kühlschränke, Neonlicht und eine Tür, an der man normalerweise vorbeiläuft. Ab 21, auf Deutsch fragen und eine Nummer ziehen — Loone sagt deutlich, dass das die Policy vom AMT ist und keine Inszenierung. Deren Haus, deren Regeln.

Danach die Wendeltreppe runter, unter den Viadukt, zwei Ebenen, Zug über dem Kopf.

Was es wirklich kostet

  • Eintritt: frei. Bei vollem Laden one in, one out — früh da sein schadet nicht.
  • Getränke: fast Späti-Niveau. Günstig für Mitte. Für einen Späti trotzdem zu teuer.
  • Wann: unter der Woche, Mittwoch und Donnerstag. In welchem Raum eine Nacht landet, wechselt, also vorher kurz auf loone.live schauen.

Die Hausregeln sind kurz und gelten in beiden Räumen: erst fragen, kein Dresscode, keine Liste; Rassismus, Homo- und Transfeindlichkeit und Grapschen fliegen raus.

Warum uns das interessiert

Wir haben gerade darüber geschrieben, was eine Nacht in Berlin eine 22-Jährige kostet: 20 bis 30€ an der Tür, bevor Garderobe und das erste Getränk dazukommen. Ein Raum unter der Woche mit guter Anlage, gebuchtem Line-up und ohne Eintritt ist die andere Seite desselben Problems — und die Variante, die keine Förderung, keine Studie und keine Politik braucht.

Ein Haken: Die Spätitür ist ab 21. Der jüngste Teil des Publikums, den diese Stadt gerade verliert, kommt hier also auch nicht rein. Sollte man dazusagen.

Ansonsten: Mittwoch, Alexanderplatz, Nummer ziehen.